Diesel vs. Elektro

Die eine Hälfte der Bevölkerung verteufelt das Elektroauto, viel zu teuer, viel zu geringe Reichweite. Die Herstellung der Akkus sei so schädlich, wie 160 Jahre Diesel fahren. Die Rohstoffe, die für die Herstellung der Akkus benötigt werden, rotten den Planeten schneller aus als jedes Braunkohlekraftwerk, heisst es. Diesel ist die sauberste Antriebstechnologie zur Zeit, heisst es.

Die andere Hälfte verteufelt den Dieselmotor. Schlecht für die Umwelt und die Gesundheit. Der sollte verboten werden, nicht nur in den Innenstädten, überall. Staatlich subventioniert sollte der schon lange nicht mehr sein dürfen. Im Winter dauert es lange bis der Diesel warm ist, deshalb lassen viele den Wagen „Warmlaufen“ bevor sie im die 7 km zur Arbeit fahren.

Die Meinungen gehen so weit auseinander, man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass beide Seiten recht haben könnten. Aber wo liegt sie denn jetzt, die Wahrheit? Sicherlich irgendwo dazwischen. Was vor 3 Jahren noch galt, gilt heute nicht mehr, soviel sei gesagt. Der ADAC hat kürzlich rausgefunden, dass Elektroautos inzwischen eine bessere Klimabilanz als Diesel haben. Dies war allerdings vor 3 Jahren noch nicht so.

Die Herstellung eines Elektroautos mit einer großen Reichweite, wie beispielsweise dem Tesla Model X, kostet ca. 17.500 kg CO2, bevor das Auto einen Kilometer gefahren ist. Daher wird so ein Auto gern schlecht geredet. Wir möchten dazu aber zwischendrin auch fairerweise auf diesen Artikel verweisen. Das aber ein VW Golf allein bei der Produktion schon über 5.000 kg CO2 ausstößt, und Tesla inzwischen das Model 3 im neuen Werk komplett mit Ökostrom herstellen wird, wird dabei gern außer acht gelassen. Hinzukommen bei einem Verbrenner die Ölwechsel, Getriebeölwechsel, Tankfüllungen, Zahnriemenwechsel etc. Für all diese Arbeiten muss das Fahrzeug in eine Werkstatt gefahren werden, die Tankstelle muss mit Diesel beliefert werden. Dies geschieht mit einem dieselbetriebenen LKW, dieser fährt vorher in die Raffinerie, in die der Brennstoff aus einer Pipeline, meist aus politisch instabilen Ländern angeliefert wird. Bei einem Elektroauto entfallen Wartungsarbeiten an Motor, Getriebe, Riemen, Auspuffanlage komplett.

Es ist für den Endverbraucher sehr schwer, sich selber eine fundierte Meinung zu bilden, da es fast so viele Studien wie Meinungen zu dem Thema gibt. Alle mit unterschiedlichen Ergebnissen. Elon Musk von Tesla behauptet, die Herstellung der Batterien sei deutlich umweltfreundlicher als in einer schwedischen Studie angenommen. Die Franzosen attestieren den Chinesen deutlich schlechtere Umweltbilanzen ihrer Fabriken, als bisher angenommen.

Es gibt eine Studie die zu dem Ergebnis kommt, ein Elektroauto lohne sich umwelttechnisch erst nach 100.000 km. Für diese Studie wurde allerdings ein Tesla Model X, ein Premium Oberklassewagen mit einem VW Golf verglichen. Wickelt man diese Studie mit vergleichbaren Fahrzeugen neu auf, kommt man bereits auf 40.000 km, das entspricht bei einem durchschnittlichen Autofahrer also 3-4 Jahre.

Letztendlich muss jeder für sich selbst herausfinden, welches das richtige Fahrzeug für ihn ist. Für 60-70% der Autofahrer wäre ein Elektro-Kleinwagen im Alltag völlig ausreichend. Dies würde viele Verkehrs-, Park- und Umweltprobleme von ganz alleine lösen. Manche Leute möchten es sich aber eben nicht nehmen lassen, eine Oberklassenlimousine zu fahren. Aufgrund der bald verfügbaren, sehr guten Alternativen müssen sie das auch nicht.

Viele Diesefahrer fühlen sich angegriffen und in ihrem Freiheitsrecht beraubt, weil sie nicht mehr in die Innenstädte dürfen. Dieses Verbot gilt allerdings an den meisten Orten nur für Fahrzeuge bis Euro 4, nur teilweise bis Euro 5. Dies sind meist ältere Fahrzeuge mit einem ohnehin sehr hohen Schadstoffausstoß. Ein Euro 6 Norm Diesel beispielsweise hat einen deutlich geringeren CO2 Ausstoß als ein Benziner und darf ausnahmslos überall fahren.

Es ist natürlich erstaunlich, dass die Nation, die den Dieselmotor erfunden hat, ihn auch als erstes abschafft. Allerdings können Dieselfreunde noch lange auf die beliebte Motorentechnologie setzen, sie sollten sich nur langsam nach einem Upgrade im Bezug auf die Euro-Norm Klasse umsehen.